Ballard Power Systems: Rosige Zukunft?

Der Traum von sauberer Energie, die keine Schadstoffe verursacht, sondern CO2-neutral die Energieversorgung und Mobilität der Zukunft ermöglicht ist einer, den die Menschheit seit langem träumt.

Einen ähnlichen Traum haben auch viele Aktionäre, die momentan ihr Geld in Wasserstoffaktien wie Ballard Power, Nel Asa und viele weitere stecken. Sie träumen von emissionslosen hohen Gewinnen.

Die Presse posaunt ebenfalls mit schwenkenden Fahnen zum Run auf Wasserstoffaktien. Das Netz ist übersät von Kaufempfehlungen, wie beispielsweise die neueste vom Magazin der Aktionär.

Dieser Artikel ist ein Realitätscheck, der bestimmte Annahmen und Behauptungen in der Presse und seitens des Unternehmens Ballard Power unter die Lupe nimmt.

Dass überbewertete Mainstream Aktien eine der größten Gefahren für Anleger darstellen, habe ich bereits in meinem Aktienguide verdeutlicht.

Investoren sind gut beraten, ihre rosaroten Brillen abzulegen und Wasserstoffaktien wie Ballard Power als das zu sehen, was sie wirklich sind: die Kapitalvernichter einer nicht allzu fernen Zukunft.

Inhalt

Ist Wasserstoff auf dem Weg zum Massenmarkt?

Der Aktionär begründet seine positive Einstellung mit dem folgenden Satz: „Bisher sind etwa nur 0,01 Prozent der Fahrzeuge auf den Straßen mit Wasserstoff betrieben“.

Des Weiteren schreibt der Autor von „Chance 2020“ und „Früh zuzuschlagen zahlt sich oft aus“ und empfiehlt damit den Kauf des Hot Stock Powercell: „Sogar 370 Prozent ins Plus gesprintet ist die Hot-Stock-Report-Empfehlung PowerCell“.

Ballard selbst hat kürzlich eine Studie zusammen mit Deloitte veröffentlicht, in dem die Autoren schlussfolgern, dass die Kosten eines Wasserstoff-Busses, der aktuell noch mehr als das doppelte eines Verbrenners kostet, in den nächsten Jahren drastisch sinken könnten.

Damit verbunden könnte man stark wachsende Umsätze in der Branche implizieren und ebenfalls steigende Aktienkurse für Ballard und andere Wasserstoffaktien.

Realitätscheck

Das Potential eines wachsenden Wasserstoffmarktes ist sicherlich vorhanden. Durch sinkende Preise werden Wasserstoff Busse und andere Anwendungen günstiger und vermutlich werden höhere Mengen nachgefragt.

Dies bedeutet zwar mehr Umsatz durch höhere Mengen für Unternehmen wie Ballard Power, doch mit sinkenden Preisen wird dieser steigernde Effekt zum Teil wieder aufgehoben. Hohes Umsatzwachstum könnte man nur bei steigenden Volumina und zumindest gleichbleibenden oder steigenden Preisen erwarten.

Gleichzeitig wird Ballard Power mehr in seine Produktion investieren müssen, um höhere Mengen liefern zu können. Diese Investitionen führen zu Abschreibungen und schmälern damit die Gewinne.

Ballard existiert bereits seit 1983, hat es bis dato aber immer noch nicht geschafft, dauerhaft Gewinne zu erwirtschaften. Das Jahr 2019 wird wohl mit geschätzten mehr als 40mio USD Verlust als eines der verlustreichsten in die lange Folge verlustreicher Jahre einreihen.

Auch basiert die in der Studie beschriebene Entwicklung Kostenreduktion von Wasserstoffanwendungen auf vielen Annahmen. Wahrscheinlich ist, dass die Kosten wie bei jeder Technologie über die Zeit sinken, unklar ist jedoch in welchem Maß und wie schnell dies passieren wird.

Ist Ballard Power ein Wachstumsunternehmen?

Der CEO von Ballard, Randy MacEwen, ist ein sehr optimistischer Mensch. Stolz verkündete MacEwen, dass nun in den nächsten Jahren endlich das Wachstum forciert werden könne.

“30% revenue growth over the next few years and then a very steep slope of growth in 2025 onward.“

Realitätscheck

Im folgenden Bild erkennt man das wahre Wachstum von Ballard in den letzten Jahren und Quartalen.

Revenue Wachstum Ballard Power YoY pro Quartal (Seeking Alpha)
Revenue Wachstum Ballard Power YoY pro Jahr (Seeking Alpha)

Die starken Schwankungen täuschen darüber hinweg, dass Ballard so gut wie garnicht wächst, in den letzten 10 Jahren im Durchschnitt nur um 6,6%.

Durchschnittliche Umsatz Wachstumsraten Ballard Power

Leider ist diese Ankündigung zu schnellerem Wachstum nicht die erste seitens Ballard.

Die Frage ist, für wie glaubwürdig man es hält, dass ein Unternehmen, das seit 10 Jahren so gut wie nicht wächst, aus dem Stand heraus Wachstumsraten von 30% und mehr erreichen will.

Bringen neue Großaufträge die Wende?

Auf der Internetseite von Ballard stapeln sich scheinbar die Meldungen von neuen Großaufträgen. Jeder neue Auftrag wird separat genannt und suggeriert den Anschein eines wachsenden Brennstoffzellengeschäfts.

Beispielsweise erhielt Ballard Power kürzlich einen Auftrag über die Lieferung von 500 Brennstoffzellen-Stacks für die Backup-Stromversorgungssysteme nach Deutschland.

Im Dezember hatte Ballard bereits gemeldet, im Jahr 2020 Brennstoffzellen im Wert von 19,2mio USD Weichai Power, einen chinesischen Partner und Investor von Ballard, zu liefern.

Realitätscheck

Bei den meisten dieser Meldungen werden keine konkreten Umsatzwerte genannt, sodass für Außenstehende kaum abschätzbar ist, wie bedeutsam sie nun wirklich sind.

Das hat Methodik. Geht man weiter in der Liste zurück, so finden sich auch in den Vorjahren, in 2018, 2017 usw. sehr ähnliche Meldungen in regelmäßigen Abständen, z.B. hier oder hier.

Rückblickend in 2017 hätte man basierend auf den geposteten Erfolgsmeldungen ebenfalls auf ein starkes Wachstum in 2018 und 2019 schließen können. Wie wir heute wissen, ist das Ballard Business seit 2017 nicht gewachsen, sondern sogar geschrumpft.

Die Annahme, dass neue Aufträge generell die Umsätze erhöhen und zum bestehenden Business hinzuaddiert werden können, ist fehl am Platz, denn gleichzeitig mit der Umsetzung neuer Aufträge laufen Altaufträge aus. Zum großen Teil findet lediglich eine Umwälzung statt, die nicht zu einer Umsatzsteigerung führt.

Zudem ist das Projektgeschäft nicht so sicher, wie es den Anschein hat. In den letzten Jahren musste Ballard mehrfach eingestehen, dass die Dinge nicht so liefen wie erwartet, hier z.B. in der Quartalsmeldung Q3 2018: „Financial results disappointed in Q3, primarily due to a slower-than-expected ramp-up in China“.

Könnte Ballard Power nächstes Jahr profitabel werden?

Ebenso optimistisch wie beim Wachstum ist Randy MacEwen, wenn es um die Möglichkeiten von Ballard geht, profitabel zu wirtschaften.

„We could be profitable next year if we weren’t investing in R&D… Our goal is not just to be a leader today and 10 months from now, but 10 years from now.“

Seiner Argumentation nach sind es allein die hohen R&D Kosten (Forschungs- und Entwicklungskosten), die dazu führten, dass Ballard Power noch nicht die Gewinnschwelle erreicht habe.

Realitätscheck

In der Tat hat Ballard extrem hohe Aufwendungen für R&D, 2018 allein 27mio USD, was etwa 28% der Umsätze von 2018 entspricht. Damit kann sich Ballard Power sogar auf eine Stufe stellen mit vielen Spieleentwicklern, bei denen R&D Kosten eine große Rolle spielen.

Daraus könnte nun manch einer schließen, dass grundsätzlich hohe R&D Kosten zu vielen neuen innovativen Produkten und damit zu massiven Umsatz- und Gewinnsteigerungen in der Zukunft führten.

Wären derartig hohe R&D Kosten einmalige oder seltene Ausnahmen, die im Anschluss an die Produktentwicklung über viele Jahre zu hohen Umsätzen führten, wäre diese Argumentation nachvollziehbar.

Ballard würde von einem Jahr aufs andere plötzlich profitabel werden, sobald kaum noch R&D Aufwendungen anfielen.

Doch auch hier sieht die Realität anders aus, als uns der CEO weismachen will, denn offensichtlich handelt es sich nicht um einmalige Aufwendungen, sondern um eine seit Jahren umgesetzte Unternehmenspraktik.

R&D Kosten Entwicklung Ballard Power (Seeking Alpha)

Die Historie verdeutlicht eindrucksvoll, dass R&D Aufwendungen ein ganz normaler und wiederkehrender Bestandteil der Kosten sind und dass diese zum Aufrechterhalten der Geschäftsprozesse notwendig sind und nicht etwa nach Belieben eingespart werden können.

Diese Argumentation ist auch deswegen logisch und nachvollziehbar, da trotz ständiger R&D Aufwendungen kaum Wachstum stattfindet.

Noch mehr Sinn ergibt dies, wenn man im Kleingedruckten liest, dass die R&D Kosten nicht nur die eigentlichen Entwicklungskosten umfassen, sondern noch viele weitere operative Kosten wie Abschreibungen oder Stock-based compensation.

Schließlich muss man noch ergänzen, dass bei einem erwarteten Verlust von 40mio USD in 2019 auch ein kompletter Wegfall der R&D Kosten nicht ausreichen würde, um diesen Verlust vollständig zu covern und Profitabilität zu ermöglichen.

Gleichzeitig würde ein Wegfall der R&D Aufwendungen höchstwahrscheinlich zu einem dramatischen Einbruch der Umsätze in den nächsten Jahren führen. Ballard hat also nicht die Wahl, sondern ist zwingend darauf angewiesen, dauerhaft hohe Investitionen in R&D zu tätigen, auch in der Zukunft.

Ist Ballard Power fair bewertet?

Der Fokus der Presse und der Anleger liegt primär auf den steigenden Aktienkursen. Die beeindruckenden Anstiege der letzten Monate und Jahre locken immer mehr neue Investoren an, die auf den Zug noch aufspringen wollen und mit ihren Käufen den Kessel weiter anheizen.

Entwicklung wichtiger Wasserstoffaktien 2019/2020

Die Bewertung spielt dabei scheinbar kaum noch eine Rolle. Der Aktionär erwähnt zwar eine „hohe Bewertung“, sieht aber nichtsdestotrotz weiteres Kurssteigerungspotential und schreibt von einer „Chance für 2020“.

Besonders anschaulich verdeutlicht wird dieser blinde Glaube an die Aussagekraft von Aktienkursen in diesem Beitrag.

„Erkennbar ist der steigende Brennstoffzellenbedarf nicht nur an den zunehmenden Bestellungen bei Ballard Power System und SFC Energy, sondern auch relativ einfach an deren starkem Kursanstieg über die vergangenen Jahre.“

Achtung bitte langsam lesen. „Erkennbar ist der steigende Brennstoffzellenbedarf ….auch relativ einfach an deren starkem Kursanstieg über die vergangenen Jahre“.

Dieser Satz widerspricht sämtlicher Logik. An einem Kursanstieg kann man unmöglich den Bedarf der Produkte des Unternehmens ablesen. Ebensowenig kann man am steigenden Kurs das zukünftige Potential eines Unternehmens ablesen.

Realitätscheck

Da Ballard wie alle Wasserstoffunternehmen, die ich mir angeschaut habe, Verluste macht und ein negatives EBITDA aufweist, ist eine Bewertung anhand von Gewinnkennzahlen nicht durchführbar.

Insofern müssen wir auf auf eine Bewertung anhand des EV/S (Enterprise Value Sales Ratio) ausweichen. Unten ist die EV/S Entwicklung von Ballard Power dargestellt.

Ballard Power

EV/S Entwicklung Ballard Power (Seeking Alpha)

Durch den steigenden Aktienkurs bei gleichzeitig nur geringem Unternehmenswachstum ist die Bewertung von Ballard insbesondere in den letzten Monaten exorbitant gestiegen.

Mit einem EV/S von 26 wird Ballard höher bewertet als die meisten am höchsten bewerteten Software Unternehmen in den USA, obwohl diese sehr viel höhere Wachstumsraten von 50% – 400% aufweisen (siehe hier).

Zum Vergleich, Ballard wächst nur mit durchschnittlich 6%.

Auch bei den Margen ist Ballard mit 22% Bruttomarge weit hinter Wachstumsunternehmen wie MongoDB mit 70% oder GSX Techedu mit 73% abgeschlagen.

Um diese Fehlbewertung noch einmal besser zu verdeutlichen, hier ein Vergleich mit Wirecard

KPIWirecardBallard
Wachstums Umsatz 10 Jahre p.a.36%6,6%
Bruttomarge47%22%
Gewinnmarge19%-43%
Cashflowspositivnegativ
Bewertung EV/S (2019)526

Wirecard ist in allen Metriken weit überlegen. Auf Bruttomargen-Basis ist Wirecard doppelt so profitabel, auf Nettomargen-Basis um ein Vielfaches.

Wirecard wächst 5-6 Mal so schnell wie Ballard und generiert positive Cashflows mit einer hohen Cash Conversion Rate.

Ballard hingegen muss sich aufgrund dauerhaft negativer Cashflows regelmäßig Geld am Kapitalmarkt leihen, zuletzt 2018, und verwässert damit die Aktienbestände und Gewinne der Aktionäre.

Beim aktuellen Tempo des Cashverbrauchs getrieben durch die Notwendigkeit hoher Investitionen ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Cashreserven aufgebraucht sind und Ballard sich wieder neues Kapital besorgen muss.

Zusammenfassend kann man sagen, obwohl Wirecard viel schneller wächst und auch in jeder anderen Hinsicht überlegen ist, wird Ballard mehr als 5 Mal so hoch bewertet.

Noch extremer ist die Bewertung bei der Empfehlung des Aktionärs. Powercell wird mit dem 150fachen der heutigen Umsatzerlöse bewertet und schreibt ebenfalls hohe Verluste.

Kein Problem, ich kann später schnell aussteigen

Wer in überbewertete Highflyer investiert, ist glücklich und erfreut sich an den täglichen Kursgewinnen. Was man immer wieder in Foren hört: „wenn sie anfängt zu sinken, steige ich schnell aus“.

Rommel sagte: „Kein Plan übersteht den ersten Feindkontakt“. Sicherlich, wir sind hier nicht im Krieg, doch unsere Gefühlswelt ist nicht in der Lage, zwischen wahrer Lebensgefahr und anderer Angst zu unterscheiden. Diese Emotionalität kann jeden Plan durchkreuzen und uns zum Verhängnis werden.

Wie irrational Menschen bei der Geldanlage reagieren, zeigt eindrucksvoll der große Crash von 1929. Stellvertretend für dieses Ereignis hat sich das Bild eines Mannes in den Köpfen der Menschen manifestiert, der aus dem Fenster eines Hochhauses springt, weil der Schmerz des Verlustes ihn überwältigt.

Falsche Sicherheit

Die anfängliche Rationalität bei steigenden Kursen weicht sehr schnell einer wirren Gefühlswelt aus panischer Angst, wiederkehrender Hoffnung und Ignoranz, sobald die Kurse nicht mehr steigen, sondern fallen.

Das Verzwickte an einer solche Situation ist, dass man nie weiß, ob man sich nun in einem Crash oder einer Korrektur befindet. Hinterher ist jeder schlauer und Charts zeigen im Nachhinein, was passiert ist. Wer jedoch mittendrin ist, sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Beyond Meat

Beyond Meat: -67%

Aurora Cannabis

Aurora Cannbis: -86%

Aus heutiger Sicht denkt jeder, mir wäre das nicht passiert. Ich wäre rechtzeitig ausgestiegen. Wenn dem jedoch so wäre, würde niemand an der Börse Geld verlieren. In Wahrheit verliert jedoch die große Mehrheit der Anleger.

Das eigentliche Problem ist, dass Menschen getrieben durch Gier und Angst, sehr schnell ihre ursprünglichen Pläne vergessen und neue Pläne schmieden.

Diejenigen, die im Gewinn sind und ihre Gewinne dahinschmelzen sehen, werden von Schmerzen überwältigt, obwohl sie eigentlich noch nicts verloren haben. Trotzdem versuchen sie ihre vollen Gewinne wieder reinzuholen und halten anders als geplant, an ihren Positionen fest bis ihre Gewinne völlig dahingeschmolzen sind.

Diejenigen, die in der Nähe des Hochs gekauft haben, wollen sich ihren Fehler nicht eingestehen und halten ebenfalls an ihren Positionen fest. Sie ignorieren die Fakten und hoffen auf eine Gegenbewegung, die ihnen erlaubt, zumindest zum Einstandskurs zu verkaufen und noch heil aus der Sache herauszukommen, die aber niemals kommt.

Stop Loss als Rettung?

Die Idee von Stop Loss Orders ist grundsätzlich überzeugend. In automatischer Weise werden Aktien verkauft, sobald sie eine bestimmte Schwelle unterschreiten.

Wie so oft funktioniert dies in der Theorie gut, in der Praxis aber nur selten.

Auch hier ist der Grund wiederum im Menschen selbst zu finden. Nicht selten werden Stop Loss Orders von Investoren wieder gelöscht, bevor sie überhaupt ihre Wirkung entfalten können.

Auch hat eine Stop Loss Order noch niemanden davon abgehalten, wieder einzusteigen, nachdem die Stop Loss Order ausgeführt wurde und sich wieder in dieselbe Situation zu manövrieren, um die Verluste oder verlorenen Gewinne wieder auszugleichen.

Entgegen der Mehrheitsmeinung werden Stop Loss Orders auch nicht zwingend zu dem Kurs ausgeführt, zu dem sie gesetzt wurden. Bei panikartigen Verkäufen findet eine Ausführung aufgrund mangelnder Liquidität oft deutlich unterhalb des gesetzten Kurses statt.

Das beste Sicherheitsnetz: die Fakten

Das einzig wirksame Mittel gegen aufkeimende Irrationalität ist der Kauf von Aktien, die man für unterbewertet hält und deren Kauf auf einem rationalen mit Fakten unterlegten Investment Case beruhen.

Wenn Aktien fallen, beginnen Menschen nach Gründen zu suchen. Sie googlen nach Neuigkeiten oder suchen die Hilfe anderer in Foren. Dort erhalten sie entweder keine Antwort oder die falsche.

Nur wer sich nicht auf andere verlässt, sondern zu einem sicheren Ort, dem Land der Fakten, zurückkehren kann, um dort seine Emotionalität abzustreifen, wird die richtige Entscheidung treffen können.

Im Fall von Ballard Power gibt es keine Fakten, die eine sichere Rückkehr ermöglichen würden. Wenn es bergab geht und die Frage ist nicht ob, sondern wann, führt der einzige Weg in den Strudel aus Chaos, Emotion und Irrationalität.

Wie man mit Hilfe von Fakten den Weg zurückfinden kann, habe ich in zahlreichen Artikeln über Wirecard gezeigt, z.B. hier.

Fazit

Randy MacEwen versucht die maßlose Überbewertung von Ballard Power zu rechtfertigen, indem er das Potential des Wasserstoffmarktes hervorhebt, hohes Wachstum und Profitabilität verspricht. Wie die Motten das Licht, zieht das strahlende Versprechen einer emissionsfreien Zukunft mehr und mehr Investoren an.

Die Bewertung von Ballard ist dem Potential jedoch weit vorausgeeilt und befindet sich heute auf einem Niveau, das eventuell in 10 Jahren gerechtfertigt wäre, sofern die Versprechungen von MacEwen eintreten.

Aufgrund der Historie von Ballard und den vorliegenden Fakten über Wachstum, Geschäftsmodell und Profitabilität muss man aber erheblich an seinen Versprechungen zweifeln.

Ähnlich wie bei anderen Hype Aktien ist eine Korrektur bei Wassestoffaktien in erheblichem Ausmaß nur eine Frage der Zeit. Als Maßstab können beispielsweise die Korrekturen im Cannabis Sektor dienen. Aufgrund der aktuellen Bewertung halte ich ein Korrekturpotential von mindestens 70-90% für nicht unwahrscheinlich.

Viele Investoren haben sich an die steigenden Kurse gewöhnt und denken, sie könnten schnelles Geld verdienen. Dabei missachten sie die erheblichen Risiken, die aus extremen Bewertungen resultieren.

Der schnelle Ein- und Ausstieg aus Hype Aktien gelingt manchen, aber die große Mehrheit wird aufgrund mangelnder Erfahrung und fehlender emotionaler Vorbereitung Verluste erleiden.

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Responses

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  1. Hallo Sharewizard,

    ich danke Ihnen für Ihren Artikel und stimme Ihnen vollkommen zu, insbesondere in puncto Ihrer Einschätzung der irrationalen Bewertung von Wasserstoffaktien, die mich fatal zunehmend an das Platzen der Internetbubble vor nun genau 20 Jahren erinnert. In meinem persönlichen Umfeld halten mich, wie vor 20 Jahren auch schon, alle Leute für schwachsinnig, weil ich ich nicht in Wasserstoffaktien investieren will und humorlos stoisch auf die Key Data der Bilanzen dieser Unternehmen hinweise. Offenbar fehlt mir die Visionskraft, die goldene, gloriose Zukunft dieser Unternehmen erkennen zu können.

    Wir werden sehen, ob sich diese Wasserstoffspekulation tatsächlich manifestieren wird, ich bin aber eher skeptisch. Und wenn es einmal wirklich los gehen sollte mit dem Markt rund um Wasserstoff, dann ist für all die kleinen Firmen ganz schnell Schluss, wenn GE, Siemens, ABB, aber auch RDS und BP etc. mit ihren unendlich tiefen Taschen den Markt unter sich aufteilen werden.

    Vor diesem Hintergrund fällt Ihre Einschätzung bei mir naturgemäß – dem confirmation bias sei Dank 😉 – auf fruchtbaren Boden.

    1. Hallo HubbaBubba,

      vielen Dank für ihr Feedback und ihre Einschätzung, die ich teile. Wasserstofftechnologie hat definitiv Potential. Ich glaube aber, dass viele Leute das Potential zugehöriger Aktien mit dem Potential der dahinterstehenden Technologie verwechseln. Ähnliches habe ich schon sehr oft erlebt. Was ich fatal finde ist, dass der CEO den Anstieg der Aktie mit seinen Aussagen noch antreibt, anstatt Mäßigung zu propagieren. Naja, er hat ja selbst über 2mio USD in Ballard Aktien investiert. Unter confirmation bias leiden wir alle. Wenn man aber nicht auf der Seite der Masse steht, sondern eine andere Meinung vertritt, zeugt dies von Mut und Reflektionsvermögen.

  2. Hallo Sharewizard,

    Meiner Meinung ist es viel zu früh in Wasserstoff zu investieren.
    Sogar Lithiumaktien sind die letzen beiden Jahre, nach dem Hype, >50% eingebrochen. z.B. ist Albemarle profitabel geblieben und gewachsen.
    Die machen nicht nur Lithium, ~50% vom Umsatz ist anderes.
    Trotzdem hat es den Kurs deutlich hinunter gedrückt 🙂
    Hatte Albemarle bei 55 und 66 Euro aufgesammelt, glaub jetzt geht was.

    Folgendes las ich das letzte Jahr, ein weiterer Grund nicht in Wasserstoff zu investieren …

    „Wasserstoff in der Stahlherstellung gilt konzernintern aber erst nach 2035 als realistische Option.“

    Quelle:
    https://ooe.orf.at/stories/3020729/

    voestalpine-Chef: „Wenn wir einen Elektro-Ofen einschalten, geht in Linz das Licht aus“

    Quelle:
    https://www.nachrichten.at/wirtschaft/voestalpine-chef-fordert-stromkostenausgleich-wie-in-anderen-laendern;art15,3162125

    Energie und Klima
    https://www.voestalpine.com/group/de/konzern/umwelt/energie-klima.html

    VW-Chef Herbert Diess über Wasserstoff-Autos: „Das ist einfach Unsinn“

    Quelle:
    https://www.wiwo.de/unternehmen/auto/iaa2019/iaa-vw-chef-herbert-diess-ueber-wasserstoff-autos-das-ist-einfach-unsinn-/25009062.html

    Mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellen-Elektrofahrzeuge und sogenannte Liquid Fuels fahre Volkswagen vorerst „auf Grundlevel“. Sie seien auf einen absehbaren Zeithorizont von mindestens einem Jahrzehnt keine Alternative für Pkw-Motoren.

    Quelle:
    https://ecomento.de/2020/01/17/volkswagen-chef-diess-volle-konzentration-auf-durchbruch-der-elektromobilitaet/

  3. Ballard wird wieder gehypt wie schon vor 20 Jahren bisher war es alles immer wieder nur ein Versprechen auf die tolle Zukunft. Jetzt ist es allerdings etwas anders es nimmt langsam Fahrt auf. Allerdings stimme ich deinen Folgerungen zu. Einfach viel zu hoch bewertet und es wird noch Jahre dauern bis es wirklich Gewinne zu sehe sind. Es steht und fällt mit der Skalierung. Es wird schneller gehen wie sich manche dies vorstellen. Die Welt ist auf dem Weg Richtung Co2 frei. Vorgemacht haben es die Batteriehersteller und auch die Solarhersteller. Leider sind oftmals die Pioniere nicht mehr dabei oder werden billig nachdem der Hype wieder abgeflaut ist günsitg eingesammelt oder ihr Technologie. Es läuft langsam an allerdings eben erstmals nur „Test“ und keine stetige Nachfrage. Die kommt erst so in 3-5 Jahren. Es bleibt spannend. Als Zock mit kleinem Einsatz kann man da durchaus mitspielen, allerdings halte ich mich lieber an gute Wachstumstories wie z. B. Wirecard.

  4. Hallo Sharewizard,

    ich folge deinen Artikeln und Meinungen sehr gerne und finde deine Analysen immer sehr gründlich und nachvollziehbar – Respekt und vielen Dank dafür!

    In der Tat bin ich selbst wegen des Themas Wasserstoff und auch Wirecard auf diese Seite aufmerksam geworden. Es ist offensichtlich, dass Wasserstoff völlig überbewertet ist und eine riesige Wette auf die (CO2-freie) Zukunft darstellt. Du hast in diesem Artikel alle greifbaren Fakten dargelegt. Allerdings gibt es ja zur Zeit auch einen erheblichen Druck, ob von Greta Thunberg, der Politik oder BlackRock, dass zwingend umgedacht werden muss. Dieser Hintergrund ist schwer mit Zahlen in deinen Analysen einzurechnen. Siehst du hier gar keine Chance, dass es hier eine Art industrielle Revolution mit der Umstellung von allen Sektoren (Industrie, Schifffahrt, Luftfahrt, LKW, PKW, Minenfahrzeuge) gibt? Ich sehe da durchaus neben den Risiken auch Chancen. Natürlich kann auch jede Zeit eine grüne „bessere“ Alternative zu Wasserstoff kommen, was diesen ganzen Hype in kürzester Zeit zusammenbrechen lässt.

    1. Hallo Jakob,

      vielen Dank.

      Sicherlich hat die Technologie Wasserstoff Potential. Es macht jedoch keinen Sinn Aktien zu kaufen, nur weil sie sich in einem Technologietrend befinden, die extrem überteuert sind. Wasserstoff ist ein Hype Thema, das auch im Zusammenhang steht mit dem Trend um Umweltschutz, der bereits extreme und radikale Ausmaße annimmt. „Grün ist in“. Viele Investoren lassen sich davon blenden und erwarten, dass nun Wasserstoff innerhalb der nächsten Jahre zum großen Renner wird.

      Solche Trends gab es in der Vergangenheit immer wieder, bei unterschiedlichsten Technologien. Übrigens gibt es Wasserstoff und Elektrobasierte Autos beispielsweise schon seit Jahrzehnten. Der Durchbruch bei Elektromobilität wird erst jetzt eingeleitet. Der größte Teil der Investitionen geht aktuell in diese Richtung. Ja, es wird auch in Wasserstoff investiert, aber bei weitem nicht derart stark. Ob und vorallem wie schnell Wasserstoff zu einer fundamentalen Technologie in unserer Gesellschaft wird ist höchst ungewiss.

      Ein weiteres Beispiel für solch einen Hype ist Cannabis. Obwohl Cannabis ein riesiges Potential hat und voraussichtlich viele Marktbereiche durchdringen wird, wenn eine breite Legalisierung stattfindet, sind Cannabis Aktien nach einem extremen Anstieg doch alle abgestürzt. Ihre Bewertungen hatten sich zu weit von ihren fundamentalen Werten entfernt. Investoren, die spät eingesteigen sind, haben viel Geld verloren.

      Es gibt ganz andere Technologietrends, die viel schneller wachsen und denen ich viel mehr zutraue und in denen es Aktien gibt, die nicht extrem überbewertet sind, sondern sogar unterbewertet und deren Aktienkursentwicklungen mit der Entwicklung ihrer fundamentalen Daten im Einklang sind. Beispiele sind Artificial Intelligence (Appen) oder de Digitalisierung im Bildungssektor (speziell in China: GSX) oder Payment (Wirecard).

      Viele Wasserstoff Aktionäre wollen nicht wahrhaben, dass ihre Aktien überteuert sind, weil sie aktuell gute Gewinne erzielen. Sie verhalten sich wie jemand, der am Würfeltisch immer wieder auf die sieben setzt und glaubt eine Glückssträhne zu haben. Das geht solange gut bis keine Sieben mehr kommt. Wer jetzt Wasserstoffaktien kauft tut dies nicht auf Basis fundamentaler Daten, sondern nur auf Basis der Hoffnung, dass noch mehr unerfahrene Anleger mit auf den Zug aufspringen.

      Ein wesentlicher Pfeiler meines Erfolgs mit Aktien ist die Disziplin, nicht blind auf solche Trends aufzuspringen, sondern immer die fundamentalen Daten im Hinterkopf zu behalten.

      Beste Grüße

      Sharewizard

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