Crash 2020: Aktien Krise oder einmalige Chance?

Eine Pandemie, wie sie niemand von uns jemals erlebt hat

Die nächste große Aktien Krise trifft die Anleger und wie ein Damoklesschwert hängt eine mögliche Ausgangssperre über Deutschland, welche die Freiheit eines jeden Bürgers wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland einschränken könnte. Die Welt befindet sich im Ausnahmezustand und in einer Krise, wie es sie seit Jahrzehnten nicht gegeben hat und die am vergleichbarsten mit der Spanischen Grippe ist, der verheerendsten Pandemie der Neuzeit, die 1918-1919 wütete und weltweit mehr Opfer als die Weltkriege forderte.

In den letzten Wochen kam es zu einem Crash bei Aktien, der in seiner Stärke und Geschwindigkeit ebenfalls zu den extremsten Ereignissen der vergangenen Jahrzehnte zählt. Dabei hatten die westlichen Börsen den sich bereits mit dunklen Wolken ankündigenden Sturm langezeit völlig ignoriert. Erst Mitte Februar, als plötzlich die Fallzahlen in Italien sprunghaft anstiegen, begann die Börse mögliche negative Effekte für die Weltwirtschaft einzupreisen.

Mittlerweile haben sich die weltweiten Börsen bereits um 30-40% von ihren Höchstkursen entfernt. Der Dax ist bis auf 8000 Punkte gefallen und hat damit den Stand von 2007 erreicht, dem Höchstkurs vor der Finanzkrise. Eine Investition in den Dax im Jahr 2007 brachte also genau eine Rendite von 0% und das in 13 Jahren und mancher wird sich eventuell an die frustrierensten Momente seiner Jugend erinnert fühlen: „Gehe direkt ins Gefängnis, gehe nicht über Los, ziehe keine 2000 EUR ein“.

Um so tiefer die Kurse fallen, umso lauter werden Stimmen, die das Ende der Welt heraufbeschwören. Negative Schlagzeilen vom Ende unserer wirtschaftlichen Ordnung machen die Runde, von einer Entglobalisierung ist die Rede und von einer Weltwirtschaftskrise, die jahrelang dauern könnte. Im Vergleich zu anderen Krisen wie beispielsweise der Finanzkrise sei diesmal alles anders, mal wieder…

Doch ist wirklich alles anders? Stehen wir am Ende des längsten Bullenmarktes und womöglich am Beginn des längsten Bärenmarktes der Geschichte?

Ausverkauf bei Aktien

In der Tat stellt diese Pandemie viele Menschen, Unternehmen, die Staaten und die gesamte Gesellschaft vor ungeahnte Herausforderungen. Selbst unsere kompetentesten Virologen sind nicht in der Lage, genaue Schätzungen über den Verlauf der Pandemie abzugeben. Dieser gesundheitlichen Verunsicherung folgt eine noch größere wirtschaftliche Verunsicherung. Es gibt keinen Präzedenzfall für ein paralleles Herunterfahren von Angebot (Produktion) und Nachfrage (Konsum) während eines Shutdowns, wie wir ihn gerade erleben.

Ausverkauf über alle Aktien hinweg

In Folge dieser Verunsicherung passiert das, was in jeder Krise passiert, Fonds und Privatanleger verkaufen massenweise Aktien auf breiter Front. Dabei wird meist kaum hinterfragt, inwiefern das einzelne Unternehmen tatsächlich von der Krise beeinflusst wird und in welcher Stärke. Es gilt nur noch „das Haus brennt und alle rennen parallel zum Notausgang“. Selbst bekannte Fondmanager rufen aus:„Cash ist King“. Ob Aktien, Anleihen, Gold oder Bitcoin, es fällt einfach alles und umso mehr die Kurse fallen, umso größer wird die Panik.

Viele Werte haben sich mittlerweile sehr weit, teilweise 50% oder mehr, von den Mitte Februar erreichten Kursen entfernt und der frustrierte Anleger fragt sich, ob er nun ebenfalls die Reißleine ziehen sollte, sofern er es nicht schon längst getan hat.

Panik und Volatilitätsspikes

Deutlich wird das Ausmaß dieser Panik anhand der beiden bekanntesten Volatilitätsindizes, dem amerikanischen VIX und seinem deutschen Pendant, dem VDAX. Ihr Wert gibt an, wie stark die Kurse täglich schwanken. Innerhalb kürzester Zeit stiegen diese beide Indizes auf Rekordwerte von 85-92, die sogar die bisherigen Höchstwerte der Finanzkrise 2008 übertreffen.

Bevor wir uns gleich der Analyse der Situation widmen möchte ich gerne eines der wichtigsten Weisheiten voranstellen, die mich persönlich als Investor tief geprägt haben und mein heutiges Handeln bestimmen:

  1. Die große Mehrheit der Anleger ist nicht in der Lage, den Markt zu schlagen und erreicht nicht einmal die Marktrendite
  2. Wenn man sich das Ziel gesetzt hat, den Markt nachhaltig zu schlagen, muss man sich logischerweise zwangsläufig anders verhalten als fast alle anderen

Geschichte wiederholt sich

Dot-com Blase

Viele Menschen, die Ende der 90iger Jahre all ihr Geld in T-Aktien oder andere moderne Highflyer des neuen Marktes steckten, im kollegialen Glauben schnell reich zu werden, wandten Aktien am Ende des Dot.com Crashs massenweise den Rücken zu, oft für viele Jahre und manche von ihnen sogar für immer. 2002 hieß es, der Zusammenbruch des neuen Marktes sei das Ende der Informationstechnologie.

Die kurzzeitig salonfähig gewordene Aktienwelt wurde in den folgenden Jahren wieder zu Teufelszeug verklärt. Die Anzahl der deutscher Aktienbesitzer sank vom Rekordwert von 6,2 Millionen in 2001 auf unter 4 Millionen im Jahr 2007 und das obwohl schon 2007 die überlebenden Techkonzerne der Dot-com Ära zunehmend damit begannen, die Old Economy mehr und mehr in den Hintergrund zu drängen, wirtschaftlich, als auch an der Börse.

Finanzkrise 2008

Dann kam die Finanzkrise im Jahr 2008. Der Crash des neuen Marktes war mittlerweile vergessen. Doch mit der Finanzkrise und dem Zusammenbruch des weltweiten Bankensystems schien wiederum das Ende der Welt gekommen zu sein. Man ging davon aus, dass nach dieser Krise kein Stein mehr auf dem anderen bleiben würde. Wohlfahrtsverluste in zweistelliger Billionenhöhe waren die Folge und es schien, als würde eine Weltwirtschaftskrise im Sinne der späten 1920er und frühen 1930er Jahre unvermeidlich sein. Es wird mittlerweile geschätzt, dass allein jeder US Amerikaner 70.000 USD durch die Finanzkrise und ihre Folgen einbüßte.

Im September 2008 ging die Bank Lehman Brothers in Insolvenz gefolgt von einer Kettenreaktion, welche die globalen Finanzmärkte in die Tiefe riss. Doch schon wenige Monate später im März 2009 war der Tiefpunkt bereits erreicht. Was folgte, war der größte Bullenmarkt der Geschichte, geführt von den 2002 noch als Kapitalvernichter verhassten Technologiefirmen, die unsere Welt in ihren Grundfesten verändern und den Wohlstand vorantreiben würden.

Ist diese Krise wirklich anders?

Nun gibt es wiederum zahllose Stimmen in Presse und Politik, die einen Zusammenbruch der Wirtschaft vorhersagen, dem ein jahrelanger Bärenmarkt folgen würde. Sie schreiben, diese Krise sei sogar „noch schlimmer als die Finanzkrise“. Selbst bekannte Ökonomen wie Ashoka Mody oder der IFO Chef Fuest verbreiten diese Warnung.

Die meisten Anleger folgen solchen Stimmen des Untergangs. Sie verkaufen alle oder einen Großteil ihrer Aktien und flüchten sich in scheinbar sichere Häfen wie Staatsanleihen, Gold oder ganz einfach Cash. Wem kann man es auch verdenken, wenn selbst solche gewichtigen Stimmen zur Vorsicht mahnen.

Doch es gibt aber auch andere Meinungen, beispielsweise die von legendären Investoren wie Warren Buffet oder Ken Fisher, die seit Jahrzehnten auf den Finanzmärkten zuhause sind und die Märkte schlagen. Anstatt in Panik zu verfallen und zu verkaufen, raten sie sogar zum Kauf von Aktien.

Alle Krisen haben etwas gemeinsam

Keine Krise ist exakt wie die andere. Diesmal ist es keine Technologie Euphorie, kein heißgelaufener Immobilien- und Verbriefungsmarkt, sondern ein Virus, das die Wirtschaft bedroht und die Börsen abstürzen lässt. Trotz unterschiedlicher Ursachen haben alle Krisen auch etwas gemeinsam. Ihre Tragweite wird überschätzt und zwar insbesondere an der Börse, die dazu neigt, sowohl nach oben, als auch nach unten zu übertreiben.

Möchte man als Investor im Gegensatz zur Masse der Anleger den Markt schlagen, ist eine konträre unabhängige Denk- und Handlungsweise unverzichtbar. Dies gilt bei der Auswahl von Aktien genauso wie beim Umgang mit Krisen wie der jetzigen oder jeder anderen.

Argumente für steigende Aktienkurse in nicht allzu ferner Zukunft

Anstatt sich einseitig nur auf das Negative zu konzentrieren, kann ein Perspektivenwechsel hilfreich sein. Man sollte sich fragen, was als Reaktion auf diese Krise passiert, welche Maßnahmen einen Einfluss haben können und welcher das wäre.

Ich sage nicht, dass diese Viruskrise in Verbindung mit einem weltweiten Angebots- und Nachfrageshutdown keine Herausforderung für die Wirtschaft ist und dass uns keine schwierige Zeit bevorsteht. Stattdessen behaupte ich, dass es es sich bei dieser Krise um ein temporäres Phänomen handelt, das lösbar ist und gelöst werden wird.

Wenn man seinen Blick auf die Reaktionen von Zentralbanken, Staaten, Unternehmen richtet und darüber nachdenkt, welche weiteren Konsequenzen sich daraus ergeben, entdeckt man ungeahnte Potentiale, die den negativen entgegenstehen und diese relativieren.

Gesamtwirtschaftliche Argumente

1.) Konzentrierte Resourcen

Diese Krise wird von sämtlichen wichtigen Staaten und Zentralbanken dieser Welt als solche betrachtet. Sie alle wollen verhindern, dass das Virus einen Teil ihrer Bevölkerung dahinrafft und sie tun alles dafür, ob aus Nächstenliebe oder aus Angst um ihre politische Position.

Extreme Positionen wie die des amerikanischen Präsidenten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Virologen und Mediziner weltweit an einer gemeinsamen medizinischen Lösung arbeiten. So werden nun beispielsweise länderübergreifend Studien zum Test von Medikamenten gegen das Coronavirus durchgeführt.  

Unternehmen passen sich an

Die Wirtschaft und die Unternehmen passen sich ebenfalls an. Viele Unternehmen stellen ihre Produktion beispielsweise auf dringend gebrauchte medizinische Güter wie die Masken- oder Infektionsmittelproduktion um. Auf diese Weise können diese Unternehmen nicht nur ihre eigenen Mitarbeiter schützen, sondern ebenfalls einen massiven Einbruch der Umsätze und Kurzarbeit verhindern. Gleichzeitig leisten sie damit einen gesellschaftlichen Dienst, denn sie ermöglichen auch anderen Unternehmen, ihre Produktion unter strikteren Sicherheitsmaßnahmen wieder anlaufen zu lassen. 

Kurzfristige Umstellungskonflikte

Kurzfristige Umstellungskonflikte oder nationalistisch anmutende Maßnahmen wie eine temporäre Aufhebung des Schengenabkommens in Form von Grenzkontrollen oder Einreisebeschränkungen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass alle Staaten nicht nur wirtschaftlich miteinander verbunden sind, sondern auch bei der Bewältigung der Krise voneinander abhängig sind. Auch Ländern wie China hilft es wenig, wenn sie selbst die Krise unter Kontrolle haben, ihre Absätze im Westen aber einbrechen.

Alle Länder, auch wenn sie souveräne Entscheidungen treffen, verfolgen ein gemeinsames Ziel. Dies macht eine beschleunigte Lösungsfindung wahrscheinlicher als viele Beobachter glauben.

2.) Maßnahmen der Notenbanken

Nicht wenige Stimmen meinen, die Zentralbanken hätten ihr Pulver bereits verschossen. Die Zinsen seien bereits bei 0% oder sogar im negativen Bereich. Das Ende der Fahnenstange sei somit erreicht und die Zentralbanken ständen dieser Krise entsprechend machtlos gegenüber.

Das Waffenarsenal der Zentralbanken ist umfangreich

Der Glaube, dass mit dem Durchdrehen der Zinsschraube das Reportoir der Zentralbanken erschöpft sei, ist zu kurz gedacht, denn die Zinsschraube ist nur eine der Waffen im Arsenal der Zentralbanken. Die richtig schweren Geräte liegen noch unter moralischen Tüchern vor der breiten Öffentlichkeit versteckt.

In der Vergangenheit hat sich beispielsweise die EZB in erster Linie darauf beschränkt, Staatsanleihen von EU Mitgliedsstaaten aufzukaufen und somit die Finanzierung dieser Staaten zu sichern, indem Risikoaufschläge und Zinszahlungen niedrig gehalten wurden. Doch die EZB wäre noch zu ganz anderen Maßnahmen fähig, wenn diese politische Unterstützung fänden. Sie könnte beispielsweise neben Staatsanleihen, auch Bankanleihen und andere Unternehmensanleihen kaufen und damit neben den Banken direkt zur Finanzierung der in der Krise befindlichen Unternehmen beitragen.

Doch damit ist das Repertoire bei weitem noch nicht ausgeschöpft, denn die EZB könnte über den Kauf von ETFs und sogar Einzelaktien die Eigenkapitalseite der Unternehmen stützen, die Märkte beruhigen und die Liquidität erhöhen.

Unbegrenzte Volumina

Theoretisch sind die Volumina solcher Ankäufe nur begrenzt durch das Gewissen der Politiker. Die Kritik an einer deratigen Ausweitung der Geldmenge und die langfristig negativen Konsequenzen werden sehr schnell in den Hintergrund rücken, wenn es um die Überlebensfähigkeit der Wirtschaft und die Existenzen vieler Menschen geht.

Dann gibt es da noch das legendäre Helikoptergeld. Dahinter steckt die Idee, den Konsum direkt zu fördern, in dem die Zentralbank ganz einfach Geld an die Menschen überweist. Im Gegensatz zu einer direkten Auszahlung von Staaten an ihre Bürger, wie die amerikanische Regierung es derzeit tut, wird beim Helikoptergeld einer Zentralbank neues Geld geschaffen. Was vor kurzer Zeit noch als unmöglich erschien, könnte schon bald Realität werden.

Hyperausweitung der Geldmenge

Letztendlich ist das wahrscheinlichste Resultat einer solchen nie dagewesenen hyperlockeren Notenbankpolititk die extreme Ausweitung der Geldmenge und in Folge dessen eine Beschleunigung der Preisentwicklung in allen Bereichen. Auch wenn Inflation in unserem täglichen Warenkorb (noch) kaum wahrgenommen wird, dürften die Preise aller relevanten Aktiva noch stärker steigen als bisher. Das gilt für Immobilien wie für Aktien, Gold oder Bitcoin.

Man sollte sich vom temporären Einbruch der Preise nicht täuschen lassen und den Fehler begehen, den schlechtesten Ort für sein Geld zu wählen, das Halten von Cash.

3.) Maßnahmen der Staaten

Die Krisenbekämpfung der letzten Jahre in Europa wurde im wesentlichen durch die EZB getragen und von ihrer Strategie des billigen Geldes ermöglicht. Das Problem hoher Verschuldung konnte erfolgreich durch hohe Geldmengen und niedrige Zinsen in den Griff bekommen werden.

Ein Ende des Sparzwangs

Den europäischen Staaten hingegen wurde im Rahmen des Stabilitätspakts Grenzen für ihre Neuverschuldung auferlegt. Manche Staaten, wie beispielsweise Deutschland, haben sich sogar selbst ein Zölibat zugunsten eines Zurückfahrens der Verschuldung auferlegt. Auch wenn ein großer Teil dieser positiven Entwicklung nicht den Politikern zu verdanken ist, sondern der guten Wirtschaftslage und den stark gestiegenen Steuereinnahmen der letzten Jahre, so wurden doch kaum konjunkturfördernde Programme finanziert: die schwarze Null als heiliger Gral.

Nun ändert sich diese Situation grundlegend. Der Sparzwang wird in drastischer Weise aufgegeben. Die Staaten betrachten es jetzt als ihre oberste Priorität, die Wirtschaft zu stützen und soweit wie möglich negative wirtschaftliche Entwicklungen abzufedern, koste es, was es wolle. In Deutschland alleine stehen dazu mehr als 500 Mrd EUR bereit, Scholzes berühmte Bazooka. In den USA macht man sogar mehr als 1 Billion USD locker. Die meisten anderen Staaten begeben ähnliche Programme.  

Zeitversetzte Nachfragesteigerung und Nachholeffekte

Ein Großteil dieser Maßnahmen ist nachfrageförderlich. Das beste Beispiel hierfür ist das Helikoptergeld der amerikanischen Regierung, bei dem jedem US Bürger ganz einfach 1200 USD überwiesen werden. Doch was können die Amerikaner damit anfangen in einer Zeit, in der Ausgangssperren zur weltweiten Tagesordnung gehören? Nun sie shoppen im Wesentlichen online oder sparen das Geld. Dieses Geld und andere kommende Konjunkturprogramme werden den Konsum nicht sofort, sondern zeitversetzt anschieben.

Es wird Nachholeffekte geben. Menschen, die sich heute kein Auto kaufen, werden dies nächstes Jahr nachholen. Das gleiche gilt für andere Anschaffungen. Dieser Nachfrageschub wird es für Unternehmen notwendig machen, die Produktion wieder überproportional hochzufahren. Die Produktionskapazitäten sind nicht weg, sie sind lediglich temporär stillgelegt. Viele Menschen könnten zwar temporär arbeitslos werden, doch auch sie werden wieder gebraucht, sobald die Produktion wieder startet. In Deutschland wird diese temporäre Arbeitslosigkeit in smarter Weise durch Kurzarbeitergeld vermieden.

Das Ergebnis dürfte ein aufgestauter Konsum- und Produktionsdruck sein, der sich während der Krise aufbaut und an ihrem Ende und in der Folgezeit entleeren wird mit dem Ergebnis stark steigenden wirtschaftlichen Wachstums und einem Höhenflug der Aktienmärkte.

4.) Hohe und höhere Verschuldung ist nicht das Ende der Welt

Bereits seit Jahren wird unentwegt geprädigt, dass die weltweite Verschuldung eher früher als später zum Zusammenbruch des gesamten Systems führe und die Wirtschaftswelt in einem riesigen Kollaps implodiere. Speziell unter Crashpropheten ist diese Argumentation der Dauerbrenner schlechthin und das Standardargument für den nächsten Crash.

Massive Ausweitung der Staatsverschuldung

Alle wichtigen Staaten dieser Welt greifen nun wieder tief in ihre Staatskassen, um der Wirtschaft und den Menschen durch diese schwierige Zeit zu helfen. Dabei weiten sie ihre Verschuldung stark aus. Die Staatsverschuldung von Deutschland beträgt derzeit etwa 2 Billionen EUR, was etwa 60% des BIP entpricht. Sollten die für die Bewältigung der Corona Krise zur Verfügung gestellten Mittel von etwa 0,5 Billionen EUR wirklich in Anspruch genommen werden, wobei es sich bei einem großen Teil um Bürgschaften handelt, dann bedeutet dies eine enorme Steigerung der Verschuldung. Ähnlich oder noch extremer sieht es in anderen Staaten aus. Auch Unternehmen werden sich stärker verschulden müssen und Kapitalreserven aufbrauchen, um die Krise zu überstehen.

Quelle: Statista

Sicherlich, Schulden sind grundsätzlich nichts Gutes,  sondern etwas was man als Staat, als auch als Unternehmen oder Privatperson vermeiden sollte, wenn man kann. Andererseits wäre ohne die Aufnahme von Schulden wohl kaum irgendeine Investition durchführbar und kaum ein Unternehmen gründbar. Schulden sind eine Notwendigkeit des Wirtschaftens.

Übertreibt es ein Unternehmen oder ein Staat jedoch und nimmt zuviele Schulden auf, droht eine Überschuldung und der Bankrott. Die Gefahr eines solchen Bankrotts hängt jedoch in erster Linie nicht von der absoluten Höhe der Schulden ab, sondern von der Tragfähigkeit dieser. Tragfähigkeit beschreibt die Fähigkeit des Schuldners, diese Schulden bedienen zu können.

Entscheidend ist nicht die Schuldenhöhe, sondern die Tragfähigkeit

Da an eine Rückzahlung der Schulden kaum mehr zu denken ist und Staaten ihre Schulden immer weiter ausdehnen, ist der primäre relevante Faktor die Höhe der Zinszahlungen und ob diese durch die Wirtschaftsleistung des Staates und Unternehmen tragfähig sind. Die Höhe der Zinszahlung ist stark vereinfacht eine Funktion aus zwei Variablen, Zinssatz und Schuldenhöhe.

Relevant ist in dieser Gleichung im Grunde nur noch der Zinssatz, zumindest wenn dieser in der Nähe von 0 liegt, denn 0 Mal X ist immer noch 0. Der Zinssatz setzt sich vereinfacht zusammen aus dem allgemein von der Zentralbank vorgegebenen Zinssatz + Risikoaufschlag. Der Zinssatz in Europa beträgt 0%. Die Risikoaufschläge der einzelnen Staaten unterscheiden sich, je nachdem wie hoch das Risiko eines Staatsausfalls eingeschätzt wird. Aufgrund der geringeren Wirtschaftsleistung und gleichzeitig höheren Verschuldung muss ein Staat wie Italien höhere Zinssätze zahlen als beispielsweise Deutschland oder die Niederlande.

Die Höhe der Risikoaufschläge hängt stark davon ab, wer der Gläubiger ist. Italien würde sicherlich bei weiter steigender Verschuldung noch höhere Risikoaufschläge zahlen müssen. Wenn die Zentralbank jedoch zum Gläubiger wird durch den Aufkauf von italienischen Staatsanleihen relativiert sich dies, denn die Schulden werden in der EU von allen Staaten getragen, da die Staaten wiederum die Anteilseigner der Zentralbank sind.

Quelle: Statista

Selbst die schlimmsten Schuldensünder in Europa profitieren so von extrem niedrigen Zinsen und Staaten mit höherer Bonität wie Deutschland mit einem AAA Rating haben sogar negative Zinsen. Schuldenmachen lohnt sich also sogar, weil Deutschland später sogar weniger zurückzahlen muss, als es sich geliehen hat.

Die EZB wird mit ihren Maßnahmen alles daran setzen, die Risikoaufschläge niedrig zu halten.

Verrückt, aber wahr!

5.) Das Geld ist nicht weg, es ist nur woanders

Wenn man Journalisten hört, die das tägliche Börsengeschehen an den Märkten kommentieren, dann fallen meist immer wieder die gleichen Sätze. In Krisenzeiten hört man immer wieder „es wurden XX Milliarden an Börsenwert vernichtet“. Dieser Satz impliziert, dass etwas weg ist, was vorher da war. Dies ist aber eine völlig fehlgeleitete Interpretation fallender Aktienkurse. Was bei sinkenden Kursen passiert, sind im wesentlichen zwei Dinge, die einander bedingen:

Preise fallen schnell, Werte nicht

Zum einen herrscht ein Überhang an Verkaufsorders, welche die Preise tendenziell fallen lassen. Wichtig ist zu verstehen, dass die gehandelten Preise der Unternehmen fallen. Davon klar zu differenzieren sind die Werte der Unternehmen. Unternehmenswerte sind äußerst stabil, während Preisänderungen sehr schnell erfolgen. Preise können über oder unter der Werten der Unternehmen liegen, sie sagen aber nichts über Wertänderungen aus. Die Unternehmenswerte hängen nicht von den Preisen ab, sondern von den zukünftig zu erwarteten Cashflows. Wenn sich diese nicht drastisch und langfristig ändern, ändert sich auch der Wert des Unternehmens nicht.

Transfers in andere Anlageformen

Zum anderen findet ein Transfer statt. Der Verkauf einer Aktie führt zu einem niedrigeren Preis, gleichzeitig entsteht jedoch eine Cashposition. Der vorhandene Wert wird also in anderer Form gespeichert. Wird eine Aktie zugunsten des Kaufs eines anderen Assets verkauft, findet ebenfalls ein Transfer statt. In Krisenzeiten wandeln viele Menschen ihre Aktienanlage teilweise in andere sicherer erscheinende, aber geringer verzinste Anlagenformen um, wie beispielsweise Gold oder Staatsanleihen. Die Preise dieser Assets steigen durch die höhere Nachfrage, während die Aktienpreise in Folge einer geringeren Nachfrage sinken.

Der springende Punkt ist, dass nichts verloren ist. Das Geld ist nur woanders. Dieser temporäre Ortswechsel kann auch in kurzer Zeit wieder rückgängig gemacht werden, sobald die Unsicherheit weicht und wieder die Überlegenheit von Aktien als Renditeform gegenüber anderen Anlageformen in den Vordergrund rückt.

6.) Volatilitätsrekorde und Liquditätskrise

Die Krise am Aktienmarkt ist keine rein ökonomische, bei der eine 1:1 Beziehung zwischen ökonomischem Schaden und Aktienkursverlusten besteht. Wie viele andere Krisen ist es auf den Aktienmarkt bezogen, auch eine Liquiditätskrise, aber diesmal eine in kaum gesehender Intensität.

Volatilitätsspikes

Tagesverluste der großen Indizes von Dow Jones, S&P 500 oder Dax von 5-10% sind zur Normalität geworden. Diese hohe Volatilität erkennt man auch an der Entwicklung der Volatilitätsindizes VIX und VDAX. Beide Indizes haben in der letzten Woche Werte erreicht, die sogar die Peaks während des Hochs der Finanzkrise 2008 deutlich überstiegen.

Durch den massenhaften Verkauf von Aktien durch Fonds und Privatanleger werden große Mengen an Kapital von den Märkten abgezogen. Alle Aktien verlieren an Liquidität und weitere Verkaufsorders werden mit größeren Spreads ausgeführt. Dadurch können schon geringe Volumina die Kurse stärker bewegen als normalerweise. Illiquidität führt zu höherer Volatilität.

Es ist gut möglich, dass wir uns bereits nicht allzu weit entfernt von den absoluten Tiefpunkten der Aktienmärkte befinden. Darauf deuten die Spikes der Volatilitätsindizes hin, die in den vergangenen dreißig Jahren nahezu immer mit den Tiefstkursen zusammenfielen.

Liquiditätsengpässe sind kurzfristiger Natur

So erschreckend diese Situation auch ist, so irrelevant ist sie langfristig. Zum einen kann durch Liquiditätsspritzen der Zentralbanken nachgeholfen und die Liquidität erhöht werden, zum anderen kehrt die Liquidität wieder zurück, sobald sich der Markt stückweise beruhigt und das Geld, das zwischenzeitlich in Cash geparkt wurde, in den Markt zurückfließt.

7.) Die Ölkrise ist keine Krise, sondern eine Chance

Zu allem Überfluss gesellt sich zur Coronakrise auch noch Unsicherheit über den Verfall der Ölpreise. Zusammen mit den Aktienmärkten legten die Kurse von Brent und WTI einen selten gesehenen Tiefflug hin und fielen seit Jahresanfang um etwa zwei Drittel.

Getrieben ist dieser Preisverfall durch zwei Faktoren:

1.) Das Herunterfahren der Wirtschaftsleistung in China und nun auch dem Rest der Welt und damit einhergend einer geringeren Nachfrage nach Öl

2.) Die Ausweitung der Produktionsmengen mehrerer ölproduzierender Staaten in Folge eines Preiskrieges

Doch wie dramatisch ist das wirklich für die Wirtschaft und die Börse?

Ölunternehmen und alle damit indirekt verbundenen Unternehmen leiden natürlich unter den gefallenen Ölpreisen. Auf der anderen Seite sind für den größten Teil der produzierenden Unternehmen niedrige Ölpreise gute Nachrichten, weil Öl ein wichtiger Inputfaktor ist und durch niedrigere Ölpreise die Produktionskosten vieler Produkte sinken.

Auch für die stark von der Viruskrise getroffenen Fluggesellschaften sind niedrige Ölpreise kostenreduzierend. Zwar können sie durch Beschränkungen des Reiseverkehrs aktuell nicht direkt davon profitieren, dennoch können mit Hilfe von Future oder Forward Geschäften schon heute viel günstigere Preise für die Zeit gesichert werden, wenn der Luftverkehr wieder zunehmen wird.

Insgesamt wird ein niedriger Ölpreis ein weiterer Turbo für eine wieder auflebende Konjunktur nach der Coronakrise sein.

Unternehmensspezifische Argumente

Erfolgreiche Unternehmen sind nicht weniger wert, kosten aber viel weniger

Selbst wenn man annehmen würde, dass viele Unternehmen das ganze Jahr über eingeschränkt sind in ihrer Fähigkeit zu wirtschaften, ändert sich dadurch kaum etwas an ihren Wertansätzen.

Klingt unsinnig? Nicht, wenn man bedenkt wie Unternehmenswerte ermittelt werden. Gewöhnlich ergibt sich der Unternehmenswert als diskontierter (abgezinster) Barwert zukünftiger Cashflows. Laufen diese Cashflows ab 2021 wie gewohnt weiter, hat sich faktisch nichts am Wert des Unternehmens geändert. Diese Aussage gilt allerdings eingeschränkt unter bestimmten Bedingungen.

Kein Unternehmenswertverlust unter zwei Bedingungen:

1.) zukünftige Cashflows dürfen sich durch die Krise nicht verringern. Die Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens darf sich also nur temporär verringern oder sollte optimalerweise sogar ansteigen.

2.) das Unternehmen muss über ausreichend Kapital und Finanzierungsmöglichkeiten verfügen, um überleben zu können und in der Lage sein, Zukunftsinvestitionen zu finanzieren.

Ist ein Unternehmen dazu in der Lage, so bleibt der Unternehmenswert als Barwert der Zukunft unbeeinflusst, während der Preis vieler solcher Krisengewinner stark gesunken ist. Das Preis-Leistungsverhältnis hat sich also deutlich verbessert.

Durch die Selektion der richtigen Aktien kann man nicht nur die Krise überstehen, sondern erkauft sich zusätzlich das Aufholpotential des Aktienpreises zum Wert des Unternehmens.

Gewinner der Krise

Die Eintagesfliegen

Wenn man darüber nachdenkt, inwiefern bestimmte Unternehmensbranchen oder einzelne Unternehmen von der Krise profitieren, muss man überlegen, wie sich das Verhalten der Menschen langfristig durch die Krise ändert.

Kurzfristig gibt es immer wieder Aktien, die durch Spekulation in die Höhe getrieben werden, obwohl sie eigentlich keine guten Aktien sind, weil sie oft nur geringes Wachstum aufweisen oder Schwächen haben. Beispiele hierfür sind einige kleinere Hersteller von Masken oder von anderem medizinischen Material. Es ist stark zu bezweifeln, dass Maskenhersteller langfristig profitieren werden, denn dazu kann die Maskenproduktion zu unkompliziert ausgebaut werden und ist zu einfach kopierbar. Immer mehr branchenfremde Unternehmen stellen ihre Produktion plötzlich auf Masken um, u.a. Hersteller von anderen Stoffprodukten wie Eterna oder sogar Automobilunternehmen wie BYD.

Einige Investoren setzen auf Biotech Unternehmen, weil sie hoffen, dass diese Unternehmen den ersten Impfstoff für das Coronavirus herstellen. Allerdings ist dies ebenfalls etwas kurz gedacht, denn zum einen ist unklar, welches Unternehmen das Rennen machen wird und zum anderen wird bereits in 1 oder 2 Jahren kaum noch Wachstum zu erwarten sein, wenn die Bevölkerung geimpft ist bzw. eine Immunisierung in der breiten Bevölkerung stattgefunden hat.

Die rekordverdächtigen Steigerungen mancher dieser Aktien könnten sehr schnell in heftige Korrekturen umschlagen.

Die langfristigen Gewinner

Besser als auf schnelle und unsichere Gewinne aus zu sein, ist es auf langfristige Krisengewinner zu setzen. Dies sind insbesondere Unternehmen, die bereits vor der Krise gute Unternehmen waren und deren Geschäftsmodelle von einem Megatrend profitieren, welcher durch die Krise nun noch zusätzlich beschleunigt wird.

Die Viruspandemie wird bestimmte Technologien und Gewohnheiten fördern, während andere eventuell reduziert werden oder aussterben. Zu den wichtigsten Trends, die eine Beschleunigung erfahren, gehören:

  • Transfertrends von Offline zu Online
  • Remote Working
  • Cashless Payment
  • Streaming

Trendbeschleunigung

Trends werden durch die Veränderung von menschlichen Verhaltensweisen getrieben. Gewöhnlich dauert es viele Jahre bis sich bestimmte Technologietrends in breiten Bevölkerungsschichten durchsetzen. Menschen sind Gewohnheitstiere und es ist für viele mit Aufwand und Unbehagen verbunden, den Umgang mit einer neuen Technologie zu erlernen, Vertrauen in die Funktionsweise aufzubauen und die Vorteile zu erkennen. Nur wenn der Nutzen den Lernaufwand weit übertrifft, wird jemand bereit sein, sich umzustellen.

Eine Krise, speziell eine, bei der die eigene Gesundheit auf dem Spiel steht, lässt Menschen diese Barriere viel leichter überwinden. Der Nutzen erhöht sich, weil neben Praktikabilität noch ein gesundheitlicher Effekt hinzukommt.

Gesundheitlicher Nutzen motiviert Verhaltensänderungen

Grob zwei Gruppen von Menschen treiben diesen Wandel. Da sind zunächst die bestehenden Nutzer moderner Produkte und Dienste. Diese Gruppe konsumiert nun mehr als zuvor. Menschen, die beispielsweise bisher schon ab und zu in einem Online Supermarkt eingekauft haben, machen dies nun vermehrt oder ausschließlich.

Die zweite Gruppe von Menschen umfasst neue Nutzer, die sich zum ersten Mal mit neuer Technolgie auseinandersetzen. Wer beispielsweise noch nie eine Online Überweisung getätigt hat (ja, es gibt mehr solcher Menschen, als man glaubt)  wird erkennen, dass er das innerhalb weniger Minuten von zuhause aus machen kann und sich damit den Weg zur Bank spart, also Geld- und Zeitguthaben erhält. 

Jemand der zum ersten Mal kontaktlos bezahlt, freut sich darüber, weder in der Tasche nach Münzen kramen zu müssen, noch die von Viren besetzte Pin Tastatur anfassen zu müssen.

Eine Mutter in einer kleinen chinesischen Stadt erkennt die Vorteile eines Online K12 Kurses, von dessen Existenz sie bisher garnichts wusste. Sie muss ihre Tochter nicht zur Klasse fahren und kann gleichzeitig zuhause miterleben, wie ihre Tochter online an einer Klasse im Streaming Verfahren teilnimmt. Sie kann ihr helfen und ist gleichzeitig über ihren Lernfortschritt informiert.

Es finden also innerhalb kurzer Zeit Verhaltensänderungen in breiten Bevölkerungsschichten statt, die andernfalls viele Jahre gedauert hätten. In China beispielsweise wurde der Schulunterricht zeitweise auf 100% online umgestellt. Dies führte zu einer enormen Steigerung von Enrollments bei Online Schulungsplattformen.

Schlussfolgerungen

Be a Contrarian!

Auf Grundlage der genannten Punkte stellt sich für mich die Situation grundlegend anders dar, als für viele andere Marktbeobachter. Die meisten Leute sind im Wesentlichen auf die negativen Auswirkungen der Viruskrise auf die Ökonomie fixiert. Sie gehen vom Worst Case, einer eventuell jahrelangen wirtschaftlichen Durststrecke aus. Sie ignorieren oder unterschätzen das Potential der weltweit durch Notenbanken und Staaten getroffenen Maßnahmen und sie unterschätzen die Anpassungsfähigkeit von Menschen und Unternehmen.

Positive Überraschungen einplanen

Insgesamt ist die Coronakrise eine üble Sache, denn Menschen leiden und sterben. Besonders auch die direkte Angst um das eigene Leben oder das der Angehörigen verleiht dieser Krise in emotionaler Sicht einen anderen Charakter als anderen Krisen der Vergangenheit. Diese Angst überträgt sich in besonderem Maße auf den von Emotionalität getriebenen Aktienmarkt und verstärkt die herrschende Panik noch zusätzlich. Anleger fokussieren sich auf alles Negative und unterschätzen das Potential möglicher positiver Meldungen.

Positiv wirken könnten beispielsweise Abflachungen der Infektionskurven, eine in China zurückkehrende Wirtschaftskraft oder möglicherweise der massenhafte Einsatz unterstützender Medikamente. Es wäre auch denkbar, dass ein Impfstoff früher als erwartet zur Verfügung steht, insbesondere wenn sich Staaten dazu entscheiden sollten, die aufwendigen Testverfahren von Impfstoffen zu vereinfachen, wie es der wohl berühmteste deutsche Virologe, Christian Drosten, bereits ins Gespräch gebracht hat.

Noch sieht es so aus, als wenn die kombinierten Maßnahmen der Zentralbanken und staatlichen Unterstützungs- und fördermaßnahmen keinen großen Einfluss auf die Kurse von Aktien haben, doch dies könnte sich radikal ändern. Die zu erwartende massive Konjunkturdelle im ersten Halbjahr könnte sich v-förmig ins Gegenteil verkehren, wenn die Maßnahmen und die erhöhte Liquidtät auf eine wieder anspringende Wirtschaft treffen.

Cash ist King, aber vor der Krise, nicht in ihr

Der Satz „Cash ist King“ kann sehr richtig sein, wenn man mit einem hohen Cashbestand vorausschauend in eine Krise geht, ist in der jetzigen Situation aber völlig unangebracht. Die Kanonen donnern so laut wie man es selten im Leben erlebt und das Blut fließt literweise durch die Straßen. Es ist die beste Zeit, um Aktien zu kaufen.

Wer zögert und darauf hofft, dass Aktien immer weiter ins Bodenlose fallen, um sie dann noch günstiger einzusammeln, könnte eventuell noch einige Prozentpunkte mehr dazugewinnen, aber verpasst möglicherweise den Beginn des nächsten Bullenmarktes und den Anstieg um die nächsten 100%.

Kaufe langfristige Krisengewinner

Viele gut aufgestellte, stark wachsende Unternehmen in den oben genannten Megatrends kann man aktuell zu viel günstigeren Preisen kaufen, teilweise für die Hälfte des Preises. Wäre der Aktienmarkt ein Aldi, wo die beste Computer Hardware gerade zum halben Preis angeboten wird, könnte man trotz Viruskrise wahrscheinlich eine sehr lange Schlange vor diesem Markt beobachten.

Bei täglichen Kaufentscheidungen orientieren sich Menschen am besten Preis-Leistungsverhältnis, am Aktienmarkt hingegen greift kaum Jemand zu absoluten Sonderangebotspreisen zu. Das Verlustgefühl wirkt paralysierend auf sämtliche Entscheidungen und die Angst vor weiteren Kursverlusten hält Menschen davon ab, zu handeln. Das ist einer der größten Fehler, die man am Aktienmarkt begehen kann! Stattdessen sollte man beherzt zugreifen, denn solche Gelegenheiten ergeben sich äußerst selten.

Meine neuen Aktien Favoriten sind auch meine alten, auf die ich bereits seit längerer Zeit setze und die in den oben genannten Megatrends agieren.

Wirecard (Cashless)

Wirecard profitiert mehr von der aktuellen Krise, als viele erwarten. Aus gutem Grund zieht Wirecard eine Prognosesenkung nicht einmal in Betracht, denn Menschen haben aktuell kaum eine andere Wahl als online zu shoppen. Alle relevanten Läden, mit Ausnahme von Supermärkten, sind geschlossen. Zudem wird kontaktloses Bezahlen an den Kassen gerade jetzt immer beliebter, weil man dabei nichts anfassen muss. Das alles spielt Wirecard in die Karten.

Es gibt Analysten, die daran zweifeln, dass Wirecard seine Prognose halten kann. Diese negative Haltung halte ich für unangebracht. Selbst wenn die Krise länger als erwartet dauern sollte, werden die Umsatzeinbußen, wenn überhaupt welche zu verzeichnen sein sollten, vermutlich nur sehr gering ausfallen und von kurzfristiger Natur sein. Langfristig ist zu erwarten, dass sich das zukünftige Umsatzwachstum von Wirecard gerade durch diese Krise und die Verhaltensänderung der Menschen noch beschleunigen wird.

Selbst wenn Umsätze und Gewinne in diesem Jahr leicht unter der Prognose liegen sollten, dann wird Wirecard aktuell so günstig bewertet wie seit 2013 nicht mehr. Das EV/S = 3, EV/EBITDA = 10. Zudem wird sich schon sehr bald die Unsicherheit über die FT Berichte und die noch laufende KPMG Sonderprüfung lichten. In den Fokus wird dann wieder das operative Geschäft rücken und das Langfristpotential des Unternehmens.

GSX Techedu (Online Bildung)

Das Geschäft von GSX blüht durch die Viruskrise geradezu auf wie bei kaum einem anderen Unternehmen. So blöd es klingt, GSX hätte wohl nichts besseres passieren können. Wochenlange Schulschließungen in China haben die Menschen dazu gezwungen, sich mit Online Bildung für ihre Kinder zu beschäftigen, um sie im hochkompetitiven chinesichen Schulsystem während der Ausgangssperre nicht zurückfallen zu lassen.

Die Online Lernquote stieg von 7-9% vor der Krise auf 100% während dieser. GSX konnte über 15 Millionen neue Enrollments innerhalb kurzer Zeit abschließen. Auch wenn nicht aus all diesen neuen Kunden langfristige Kunden werden, so werden Millionen von chinesischen Eltern nun die Vorteile von Online Bildung für ihre Kinder vor Augen geführt und viele von ihnen werden bleiben.

Nicht grundlos nimmt GSX an, im ersten Quartal um mehr als 300% YoY zu wachsen und für das Gesamtjahr um 200%. Ich vermute, dass diese Zahlen in gewohnter GSX Manier noch konservativ sind und wahrscheinlich deutlich übertroffen werden (so wie schon mehrfach in der Vergangenheit). GSX gehört zu ganz wenigen Aktien, die der Krise trotzden und YTD 2020 noch deutlich im Plus sind, und zwar mit nahezu 100%.

GSX hatte ich bereits Anfang Januar empfohlen. Eine ausführliche Analyse wird im Sharewizard Club folgen, nachdem dieser eröffnet wurde.

Appen (AI Daten)

Der australische Aktienindex ASX leidet überproportional unter der der Viruspandemie in China, da eine hohe wirtschaftliche Abhängigkeit zu China besteht. Da China jedoch das erste Land sein wird, das sich aus der Krise herausgearbeitet hat, könnte sich dieser Trend auch schnell wieder drehen.

Das im ASX notierte Unternehmen AI Data Labeling Unternehmen Appen erwirtschaftet den größten Teil seiner Umsätze mit amerikanischen Tech Konzernen, die insgesamt kaum unter der Krise leiden werden. Der Megatrend AI gehört mit enormen jährlichen Wachstumsraten zu den stärksten Technologietrends überhaupt.

Das Geschäftsmodell von Appen ist von Natur aus remote aufgestellt, denn Appens Crowd Worker arbeiten auch in normalen Zeiten aus dem Home Office heraus. Die Datenproduktion steht also nicht still, sondern läuft ungehemmt weiter.

Trotzdem hat die Aktie in Folge der Krise deutlich Federn gelassen. Der Wert des Unternehmens dürfte sich aber so gut wie überhaupt nicht geändert haben. Laut meiner umfangreichen Analyse war Appen bereits vor der Krise viel zu günstig bewertet. Jetzt ist die Aktie nochmals viel günstiger geworden.

Die Appenanalyse gibt es hier kostenpflichtig zu kaufen oder wird kostenlos im Rahmen der  Jahresmitgliedschaft im Sharewizardclub enthalten sein.

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Responses

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  1. Angesichts der Dramatik der aktuellen Turbulenzen kann dein kenntnisreicher Text vielen als Kompass im Sturm dienen. Vielen Dank Sharewizard!

    1. Hallo Hans,

      was man sagen kann ist, dass viele Qualitätsaktien wesentlich günstiger zu haben sind als noch vor kurzer Zeit, obwohl sie wohl kaum an Wert eingebüßt haben. Insofern ist die Antwort, ja ich persönlich kaufe mit Freude zu.

      Dies ist jedoch keine Garantie, dass die Kurse nicht nochmals nachgeben. Generell würde ich versuchen, schwache Tage für Zukäufe zu nutzen. Davon haben wir schon einige gesehen, und ich vermute, es wird weitere geben.

      Beste Grüße

  2. Das habe ich gerade jetzt gebraucht 🙂 VIELEN lieben Dank für die tolle Arbeit. Ich freue mich schon auf den Club. Bleibt alle gesund. DANKE!

  3. Herzlichen Dank für die gründliche und sachliche Analyse. Gibt Hoffnung!
    Was mir jedoch noch heftiges Bauchgrummeln bereitet, ist die Situation in den USA. Das Gesundheitssystem ist wirklich nicht darauf vorbereitet, schafft es schon nicht, in Friedenszeiten alle zu behandeln. Es ist im Moment schwer abzuschätzen, inwieweit die bisher getroffenen Maßnahmen sowohl im Gesundheitswesen und zur Prävention als auch die ökonomischen Hilfspakete genug abpuffern können, ohne das eine schwere und länger Rezession eintritt. Das geht nicht spurlos am Rest der Welt vorbei, leider. Sicherlich kann man sich zumindest teilweise wappnen, in dem man mit einer Langfriststrategie in Firmen mit guten Werten investiert.
    Das Bauchgrummeln sagt mir jedoch, noch etwas zurückhaltend zu bleiben mit weiteren Käufen. (Aber ebenso mit Verkäufen.) Aber seit Lesen des Artikels kann ich rationaler mit dem durch die vielen Krisenmeldungen der letzten Tage geförderten Bauch-Pessimismus umgehen.

    1. Hallo Anita,

      das freut mich. Dein Bauchgrummeln kann wohl jeder von uns sehr gut nachvollziehen und es ist in der Tat sehr schwierig, sich gegen den Gesamtmarkt zu stellen.

      Mit der oben beschriebenen Strategie kann man ziemlich ruhig schlafen. Selbst wenn man Buy and Hold betreibt, kann man die eigenen Nerven immer wieder beruhigen, wenn man sich auf die Chancen und Risiken einzelner Unternehmen vor Augen führt, anstatt sich vom Gesamtmarkt verunsichern zu lassen. Aktienauswahl ist in Krisenzeiten wie in Aufschwungzeiten der Schlüssel zum Erfolg. Wann immer deine Aktien fallen, schaue nicht auf den Kurs, sondern auf das dahinterstehende Unternehmen. Solange es dem Unternehmen weiterhin gut geht und es gute Gewinne macht und machen wird, ist die kurzfristige Preisentwicklung für die langfristige Entwicklung völlig irrelevant.

      Wenn man die Aktien im Portfolio gut kennt und sich bei ihrer wahrscheinlichen Geschäftsentwicklung sehr sicher ist, sollte man versuchen diese Sicherheit des Investment Cases auch auf sich selbst zu übertragen und damit die Nerven zu beruhigen. Noch besser ist es, wenn man bei sinkenden Kursen gierig wird, weil man ein tolles Unternehmen nun noch günstiger kaufen kann.

      Liebe Grüße

      Matthias

  4. Hallo zusammen,
    Brillante Analyse, unterfüttert durch Intuition, umfassendes Fachwissen und viel Erfahrung; du vermittelst ein hohes Maß an Sicherheit in unsicheren Zeiten.
    Dennoch kann ich deine Meinung zu China nicht ganz teilen. Eine Schwäche des chinesischen Systems ist, daß die Warnungen des Arztes, der den Virus entdeckte, zuerst den Filter der Kommunikationshierarchie durchlaufen mussten (soll heissen, daß er einen Maulkorb verpasst bekommen hat, bevor dann die entsprechende Ebene eine Veröffentlichung genehmigte). Dadurch wurde die dramatische Situation in Wuhan initiiert.
    Ja, es stimmt auch, die chinesische Führung hat danach drastische Massnahmen unternommen, die wohl auch Wirkung zeigen. Die jüngste Entscheidung der chinesischen Führung die Krise für beendet zu erklären, ist offensichtlich rein politisch motiviert, und gelinde gesagt als höchst unklug zu bezeichnen.
    Die Frage ist, wie weit die mächtigen Mittel, welche die wirtschaftlichen Verwerfungen kompensieren sollen, ausreichen, wenn nach einer (vermeintlichen) Erholung durch hektische, unkluge Entscheidungen der zwei einflussreichsten Mächte (auch Trump beabsichtigt, den Shutdown vorzeitig zu beenden) ein Erfolg zunichte gemacht wird, und die Krise sich wieder verschärft.
    Ich gebe zu, ich kaufe auch eher moderat nach, und versuche die derzeitige Ruhe soweit wie möglich mitzunehmen. Bleibt alle gesund…

    1. Hallo Vambo,

      ich danke Dir. In der Tat wurden in Wuhan schwere Fehler gemacht. Nichtsdestotrotz muss ich anerkennen, dass dieses Land mit 1,4 Milliarden Einwohnern weniger Tote zu beklagen hat als Italien mit 60 Millionen Einwohnern, das dazu noch viel mehr Vorlauf vor der Epidmie hatte. Dies ist eine enorme Leistung und nur möglich aufgrund der Struktur und Mentalität der chinesischen Gesellschaft. Das „Wir“ zählt dort mehr als das „Ich“. Das heist nicht, dass ich in einem solchen System leben möchte, ich liebe unser westliches Freiheitsgefühl und unsere Individualität. An Italien sieht man jedoch wie fatal eine Ich-Einstellung in Krisenzeiten sein kann.

      Es gibt aus meiner Sicht zwei denkbare Wege, um die Coronakrise zu lösen.

      (1) Man stimmt die ganze Gesellschaft auf Distanzierung ein, führt einen längeren Shutdown durch, um die Infektionszahlen auf 0 zu reduzieren und fährt dann die Wirtschaft stückweise hoch, während man parallel einen Impfstoff entwicklelt (China)

      oder

      (2) man lässt der Verbreitung relativ freien Lauf und hofft auf eine schnelle Immunisierung der Gesellschaft (möglicherweise USA und in den meisten anderen Ländern)

      Beide Wege werden letztendlich zum gleichen Ergebnis führen: „The show must go on“. (2) wird zugunsten der Wirtschaft auf dem Rücken der Älteren begangen und ist wahrscheinlich kostengünstiger und einfacher durchführbar. Trotz der moralischen Verwerflichkeit wird dieser Weg in den meisten Ländern dieser Erde wohl der gangbarste sein, weil kaum ein Land in der Lage ist, eine disziplinierte Gesellschafts- und Wirtschaftsumstellung wie China zu gewährleisten.

      Am Ende werden viele Menschen sterben (viele Millionen), wenn man die ganze Testproblematik und ungenaue statistische Datenauswertungen außer Acht lässt, laut jetzigem Stand wohl ca. 0,5% der Bevölkerung weltweit. So traurig dies ist, so irrelevant ist es für die langfristige Entwicklung der Wirtschaft und der Börsen. Im Anschluss wird alles so weiter gehen wie gehabt, so wie es nach der Spanischen Grippe ebenfalls war. Ich fürchte, dies ist das wahrscheinlichste Szenario.

      Was bedeutet dies für die Börse:
      (1) Langfristig wird auf den Abschwung wieder ein Aufschwung folgen. Die Börsenkurse haben einen Großteil bereits eingepreist.
      (2) Langfristig wird die Geldmenge und Inflation in Folge der Maßnahmen von Zentralbanken und Staaten deutlich zunehmen. Diese Inflation wird ebenfalls die Aktienkurse betreffen.
      (3) Kurzfristig bleibt die Volatilität bestehen und die Kurse können auch weiter nachgeben.
      Strategie

      Ich halte deine Strategie des stückweisen Nachkaufs für einen sehr gangbaren Weg, den ich persönlich auch gehe.

      Ich erhöhe und reduziere meine bekannten Positionen stückweise in Abhängigkeit von schwachen und starken Tagen und reduziere auf diese Weise meine Einstandskurse stückweise. Parallel dazu sichere ich mein Portfolio teilweise mit Puts ab. Das Potential der Aktien in meinem Portfolio ist deutlich höher als die des Gesamtmarktes, während es trotzdem gegen extreme Schocks des Gesamtmarktes nach unten weiterhin abgesichert ist. GSX beispielsweise ist immer noch deutlich im Plus in diesem Jahr. Wirecard hat sich auch bereits wieder erholt und meine Position ist nun wieder im Plus.

      Auf diesem Weg kann man das Risiko stark begrenzen, erhält sich aber einen Großteils des Potentials nach oben. Mittlerweile ist mein Gesamtportfolio year to date 2020 wieder im Plus, während der Dax noch etwa 30% im Minus ist.

      Beste Grüße

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